«Ned suufe, ned rouche, denn bringsch es zu öpis!»
Walter Eichelberger auch mit 85 Jahren Jahren noch auf der Trophy unterwegs – und registriert seine Zeiten ab sofort digital.
Diesen Satz hörte Walter Eichelberger von seinem Lehrer der neunten Klasse. Weil er es zu etwas bringen wollte, nahm er sich diesen Rat zu Herzen – und brachte es damit weit.
Am letzten garstigen Märztag radelt Walter zum Start der Zugerberg Finanz Trophy in Niederwil. Selbstverständlich hat sein blaues Stadtvelo keinen Motor. Sein eigener funktioniert noch bestens, trotz seiner 85 Lenze! So meistert der pensionierte Pöschtler die gut sechs Kilometer lange Strecke ohne Probleme. Auch die rund hundert Höhenmeter bringen ihn nicht ausser Atem. Einzig das Erzählen verschiebt er auf die Teepause nach dem Lauf.
Über 1000 Starts und 200 Siege
Walter Eichelberger hat viel zu erzählen – sehr viel! Im «Träumli», dem Restaurant im Schützenhaus, teilt er eine Handvoll Anekdoten. Rund 1100 Mal sei er an einer Startlinie gestanden und habe es bei fast jedem zweiten Anlass aufs Podest geschafft, etwa 200 Mal (!) sogar aufs oberste Treppchen. Kein Wunder also, dass er beim letzten Umzug gut 20 Kilo Medaillen und 20 Kilo Pokale entsorgte.
Zu seinen Sportarten gehörten Kunstturnen, Radfahren und die Disziplinen einer früheren Form des Mehrkampfs. Im Sommer bestand dieser aus Laufen, Schiessen und Werfen. Zehnmal durfte sich der in Huttwil BE aufgewachsene Schreiner zum Schweizer Meister küren lassen. Im Winter waren es Ski alpin, Langlauf und Schiessen – und auch hier gewann er zweimal den Titel. Vor allem der Alpinsport hatte es ihm angetan: «In meinen jungen Jahren bezeichnete ich mich als Skifahrer. Langlauf kam erst im Militär dazu.» Später machten ihm vor allem die Masters-Wettkämpfe Spass, weil man dort stets gegen Gleichaltrige antrat.
Da der zähe Sportler bis ins Alter von 60 Jahren jeden Marathon unter drei Stunden beendete, gehörte er stets zu den Besten seiner Alterskategorie. Er erzählt auch von seiner Teilnahme am New York Marathon: Erst drei Wochen vor dem Start habe er davon erfahren und ihn dennoch auf dem 6. Rang beendet. Auch an der Weltmeisterschaft in Buffalo war er dabei sowie an zahlreichen Events in ganz Europa.
In Bewegung bleiben
Kein Alkohol, kein Nikotin und viel Training waren wohl der Schlüssel zu seinem Erfolg. Vor Wettkämpfen habe er jeweils eine «Saltin-Diät» gemacht. Dabei werden die Kohlenhydratspeicher zuerst komplett geleert und wenige Tage vor dem Rennen wieder maximal gefüllt. Und was ist sein Rezept fürs Alter? «Immer in Bewegung bleiben. Seit zwölf Jahren jodle ich in Baar. Zu jeder einzelnen Probe fahre ich mit dem Velo. Andere wohnen in Baar und nehmen das Auto – obwohl sie alle pensioniert sind und Zeit hätten, etwas früher loszugehen.»
Sagt’s, schlüpft in die neongelbe Regenjacke und tritt, gut sichtbar gekleidet, in die Pedalen Richtung Cham.